Programme

Miracula Über die historische Gestalt von Nikolaus wissen wir nur sehr wenig. Er hat um die Wende vom 3. zum 4. Jahrhundert auf dem Gebiet der heutigen Türkei gelebt und war Bischof von Myra (heute: Demre/Antalya). Im Mittelalter hat er höchste Popularität genossen und war einer der am meisten verehrten Heiligen, was bis heute nachwirkt. Dies zeigt sich auch in der grossen Anzahl von Legenden, die sich um seine Gestalt gebildet haben. Aber nicht nur Bräuche, Legenden und Volksschauspiele zum Nikolaus hat das Mittelalter hervorgebracht, sondern auch einen grossen Reichtum an Dichtung und Musik für die Nikolaus-Liturgie. Daraus hat das ensemble Peregrina eine Auswahl aus den schönsten Beispielen aus England, Frankreich, Deutschland und der Schweiz (11.-15. Jahrhundert) zusammengestellt – in denen auch immer wieder die Legenden einen grosse Rolle spielen.

Helvetica - Mitellalterliche Musik aus der Schweiz Dieses Program zeigt die musikalische Erbe der Schweiz aus dem Codex Engelberg, Wettinger Graduale und Stücke aus der Genfer Kathedrale.
Personell: 4 Sängerinnen
Augeführt an der Wettinger Graduale Austellung in Kantonalbibliothek Aarau 2010 und in Klosterkirche Muri by Cantars 2015.
Dauer: 60'


Epiphania - Drei Könige in der Musik Stichworte: Epiphanie, die Drei Könige, der Stern, das Licht, die Gaben, die Reise. Dieses Thema wird in spannungsvoller, stimmiger und abwechslungsreicher Dramaturgie aus dem Blickwinkel verschiedener Repertoires beleuchtet: in einer früheren Schicht finden sich die Sequenzen von berühmten Notker Balbulus aus St. Gallen (10. Jh.) sowie Aquitanische Tropen und Sequenzen (11.-12. Jh.), darunter auch eine frühe polyphone Sequenz. Besonders spannend ist, dass eine dieser Sequenzen als cantus firmus in verschiedenen Motetten verwendet wird. Das erlaubt – neben dem thematischen Aspekt – eine zwanglose musikalische Verbindung zu einem ganz anderen stilistischen und geographischen Repertoire: den Motetten, Conductus und Organa aus dem Umfeld der Notre-Dame (13. Jh.), von denen es bereits einige prächtige Stücke zu diesem Thema (teils mit Texten von Philipp dem Kanzler) gibt. Auch in diesem Programm werden einige Stücke aus weniger gängigen, sogenannten „peripheren“ Bereichen integriert. Dazu gehören beispielsweise einige 2- bis 3-stimmige Lesungen des späten 14. Jahrhunderts aus Italien und aus der Schweiz in einer retrospektiven, stark usuell geprägten Mehrstimmigkeit sehr gut sowie die eigenartigen Motetten aus den tschechischen Quellen des 14. Jahrhunderts.

Veiled desires - Nonnenliebe und Nonnenleben im Mittelalter Nonnenliebe und –leben im Mittelalter Dieses Programm Veiled desires (Verschleierte Sehnsüchte) präsentiert das mittelalterliche Leben von Nonnen hinter Klostermauern in seinen verschiedensten Aspekten. Zu den Hauptthemen gehören das Lob der Jungfräulichkeit und deren Fluch (in der spezifischen Form der Nonnenklagen), das Erlebnis der Gemeinschaft und die eindrücklichen Klagelieder für die verstorbenen Schwestern. Ein leichter Ton dagegen kommt hingegen durch das oft humoristische Motiv des heimlichen Liebestreffens von Mönch und Nonne und dessen Konsequenzen hinzu. Zu greifen ist das alles in der Musik aus mittelalterlichen Frauenklöstern des 12. bis 14. Jahrhunderts (im Codex Las Huelgas, im Cantorale Palma de Mallorca und in der Musik von Hildegard von Bingen), in archaischer Nonnenklage aus dem 11. Jahrhundert, im erotischen Dialog zwischen einer Nonne und einem Mönch, in der satirischen Geschichte einer Äbtissin von Michel Beheim (15. Jh.), in einer Reihe mehrstimmiger Motetten aus Bamberg und Montpellier (13. Jh.) sowie einzelnen Stücken unterschiedlicher mittelalterlicher Traditionen, die das Thema ergänzen und abrunden.

Personell: 6 Musiker
Augeführt in Festivals: Freunde Alter Musik Basel (CH) 2012, Tage Alter Musik Regensburg (D) 2012 and in Klosterkirche Königsfelden (CH) 2014.
Dauer: 70'

Crux - Mittelalterliche Musik für die Osterzeit aus dem 13. und 14. Jahrhundert Texte und Musik dieses dreiteiligen Programms stehen alle in Verbindung mit Ostern, dem höchsten Fest des liturgischen Jahres.
Die Stücke des Programms sind christlichen Meditationen über den Sinn des endlichen Lebens gewidmet. Sie schildern in ergreifender und überaus deutlicher Weise, wie die verrinnende Zeit und der herannahende Tod den irdischen Begierden ein Ende setzen wie der eröffnende Rondellus Breves dies hominis.

Im Zentrum des Programmes steht das Martyrium des Erlösers. Im wunderschönen planctus Stabat iuxta aus der Handschrift Las Huelgas werden wir durch die Augen seiner unter dem Kreuz stehenden Mutter Maria Zeugen seines Leidens. Wir hören auch Christus’ eigene Klage in Vineam meam plantavi und in Homo vide quo per te patior mit improvisierter Fidel-Begleitung.

Trauer und Freude finden wir in der Erzählung Seiner treuen Anhängerin Maria Magdalena. In der ausserordentlich expressiven Sequenz Surgit Christus ruft sie Seine Qualen und Auferstehung in Erinnerung. Hierzu gehört auch die berühmte Sequenz Victimae paschali laudes, in der Maria Magdalena freudig verkündet, dass Christus auferstanden ist und das Joch des Todes überwunden hat. Dieser für die Christenheit so wichtige Moment bekräftigt des Erlösers Wiedererscheinen als neuer Adam (Adam novus) und ruft all seine Anhänger auf, sich Seines Sieges über den Tod zu freuen (Resurgentis).

Personell: 3 Sängerinnen (incl. harp & sinfonia), 1 Fiedelspieler
Aufgeführt in Frankreich (Thoronet 2012, Voix et Route Romane 2014), Schweiz (Abendmusiken Berne 2010), Polen (Mazovia goes Baroque Warszawa 2010), Grossbritanien (York Early Music Festival 2009) and Spanien (Palma de Mallorca 2004).
Dauer: 60'

Ultima Thule – Mittelalterliche Musik aus dem Hohen Norden Der von Vergil in seinen Georgica geprägte Ausdruck „Ultima Thule“ (äusserste Insel) wurde im Mittelalter zum Synonym eines mythischen Landes im Norden, am äussersten Rand der bekannten Welt. Aus dem Norden mittelalterlichen Europas stammen auch die Werke des heutigen Programms.

Einblick in den Marienkult auf den Britischen Inseln vermitteln zwei der Jungfrau gewidmete, lateinische Werke des 12. Jahrhunderts – der zweistimmige Versus Flos floriger und das Lied Virgo mater – sowie diverse Werke in mittelenglischer Sprache, darunter ein wunderschönes Wiegenlied für Weihnachten in Form eines intimen Zwiegesprächs zwischen Maria und ihrem neugeborenen Kind (Lullay lullay). Ebenfalls marianische Thematik haben die beiden gemeinsam überlieferten Lieder Sainte Marie virgine/Crist and Sainte Marie des Godrich von Finchale (12 Jh.), eines angelsächsischen Eremiten und Pilgers.

Es werden auch die skandinavischen Heiligen besungen, wie etwa, im Hymnus Nobilis humilis, der einzige Heiligen der Orkneys, den Hl. Magnus oder der Norwegerkönig, Hl. Olav (10. Jh.) in der Sequenz Lux illuxit und in dem Hymnus Adest dies leticie vom Anfang des 15. Jahrhunderts. Die Sequenz In superna ierarchia besingt dagegen Thorlák (12. Jh.), den einzigen Heiligen und Schutzpatron Islands. Es ist nicht auszuschliessen dass auch das älteste englische Liebeslied, Bryd one breere, sich auf die Person von der Heilige Birgitta (Bride, Brighid), eine weitere, äusserst populäre skandinavische Heilige, bezieht. Das traditionelle, isländische Lied Ísland, farsælda frón, das in der unschätzbar wertvollen Sammlung des Bjarni Thorsteinsson überliefert ist, besingt die herben Schönheiten dieses Landes. Zusammen mit Ave regina celorum und O Jesu dulcissime aus der gleichen Sammlung gehört es zu den sogenannten tvisöngur, einer Form von Mehrstimmigkeit in parallelen Intervallen von archaischem Charakter.

Aus Island stammt auch ein ganz besonderes Programmpunkt des heutigen Abends - Gudrunlied (Guðrúnarkviða in fyrsta) in altnordischer Sprache. Es ist Teil eines Zyklus über das Geschlecht der Wälsungen, das auch aus dem späteren, auf dem Kontinent entstandenen Nibelungenlied bekannt ist. Das Gudrunlied stammt aus der Lieder-Edda, die auch Ältere Edda genannt wird und schildert Gudruns unermesslichen Schmerz nach dem Tod ihres Mannes Sigurd. Nibelungen, Valkyrien, Blutpakt, Rache und Fluch bilden ein heidnischen pendant zu den nordischen Glaubenswelten des heutigen Programms. Ich hoffe, dass dieser eindrückliche Gesang, wie auch die übrigen Werke des heutigen Konzertes, Ihnen, liebes Publikum, die Vielgestaltigkeit und Schönheit dieses kaum bekannten Repertoires aus dem Hohen Norden erschliessen werden.

The term Ultima Thule (The Farthest Island), used by Virgil in his Georgica, became in the Middle Ages a synonym for a mythological land in the North, at the end of the known world. From Northern Europe stem also the pieces of this programme. We find here songs praising Scandinavian saints like the hymn Nobilis humilis for St. Magnus, the only saint of Orkneys, or pieces for St. Olav (10th c.) – the sequence Lux illuxit and the 15th century hymn Adest dies leticie. The sequence In superna ierarchia and the hymn Festa pastoris were composed for St. Thorlák (12th c.), the only saint and patron of Iceland. Possibly the oldest English love song, Bryd one breere, belongs also to the religious world and praises St. Bridget (Bride, Brighid) – another extremely popular Scandinavian saint.

Two further compositions in Middle English deal with meditations on the meaning of mortal life. Man mai longe lives weene is almost a sermon on worldly deceits (“Man may expect long life, but the trick often deceives him”) and how to put an end to sin. Ar ne kuth ich sorghe non (Formely I knew no sorrow) is a famous song of a prisoner unjustly hold captive. This moving song is full of wise thoughts on capricious fortune, death, betrayal and seeking consolation by the Lord.

Gudrun’s song (Guðrúnarkviða in fyrsta), sung in Old Norse, belongs to the Völsung Saga, known on the continent in its later version as Nibelungenlied. Its text, found in the Poetic Edda, describes Gudrun’s despair after the cruel death of her husband Sigurd. Nibelungs, valkyries, blood pact, revenge and curse present a pagan counterpoint to the world of Christian faith in other pieces of this programme stemming from the mysterious lands in the far North.


Solo-Programm von Agnieszka Budzinska-Bennett (Gesang, Harfe, Sinfonia). Zweite Sängerin optional.
Aufführungsorte: Snorrastofa in Reykholt, Island in 2007, Polen (Poznan 2008), Deutschland (Laufenburg 2008) und die Schweiz (Abendmusiken, Biel 2010)
Dauer: 60'

Medieval laments of the 12th-13th centuries The programme is a medieval journey through the centuries and regions of Western Europe and deals with Christian meditations on the meaning of mortal life. The central theme here is the martyrdom of the Saviour. Medieval poets interpret the bitter death of Christ nailed to the cross as the greatest of all sacrifices for humankind. The beautiful 13th century Notre Dame conductus O labilis sortis, attributed to Philippe le Chancellier (ca. 1170–1236), expresses in a most poignant and lucid manner how the passage of time and approach of death ultimately bring an end to earthly desire. We witness His suffering through the eyes of His mother Mary standing below the Cross in the beautiful planctus Stabat iuxta Christi crucem from the Spanish manuscript Las Huelgas and in one of the most famous pieces of that time, Planctus ante nescia by Godefroy de St. Victor(ca. 1130 - ca. 1194). The Italian lauda De la crudel morte de Cristo, presenting the Crucifixion scene in a mercilessly moving manner, belongs to the earliest pieces in Florentine dialect. Another piece, the prose Epithalamica from Nevers manuscript, is an ambitious composition – scholarship has attributed it to one of the great minds of the 12th century, Petrus Abelardus (1079-1142) – which uses the biblical language of the Song of Songs to tell the dramatic story of joy overcoming grief as the Bride finds her lost Bridegroom. It is a known metapher for the joy of Easter Resurrection after the suffering on Good Friday. The degree and diversity of melodic repetition and sheer length of this song is novel and in this way, Epithalamica represents one of the highest achievements in the composition of new song in the 12th century.
This fascinating journey through the musical laments of the 12th-13th centuries provides a rich tapestry of monophonic song, occasionally provided with improvised accompaniment on the Romanesque harp.   

Solo-Programm von Agnieszka Budzinska-Bennett (Gesang, Harfe, Sinfonia).                                                                                                                                                                                                                                                         Aufgeführt in Polen (Paradyz 2005, Cieszyn 2006 and Poznan 2008) und in Ciclo Musicale Zamora (ES) 2014
Dauer: 60'

Filia praeclara - Music from Polish Clarissen Cloisters (13th & 14th c.) Unter Prinzessin Kinga von Ungarn (um 1224 - 1292), die als ungefähr 15jährige mit dem Herzog Boleslaw V. von Polen vermählt worden war, erlebte ihre neue Heimat einen kulturellen Aufschwung: es entstanden bedeutende Kulturzentren mit grosser Ausstrahlung und äusserst produktiven Skriptorien. Aus dieser Zeit datieren nicht nur die ältesten polyphonen Mess- und Ordinariumssätze Polens, sondern auch eine von Kinga mitgebrachte Kopie des berühmten französischen Magnus Liber (mit prächtiger polyphoner Musik der Notre Dame-Schule). Noch heute sind Fragmente von Kingas Exemplar des Magnus Liber im süpolnischen Kloster Stary Sącz, dessen Leitung sie nach dem Tod ihres Mannes übernommen hatte, erhalten.So bildet die Musik aus polnischen Klarissenklöstern des 13. und 14. Jahrhunderts, die ein faszinierendes und bisher kaum erschlossenes Erbe hinterlassen haben, einen Schwerpunkt des Programms. Das ensemble Peregrina lässt die vielschichtige Geistes- und Klanglandschaft der polnischen Klarissenklöster – wie etwa Stary Sacz – auf subtile Art und Weise aufleben: mit musikalischen Unikaten und damit wohl überwiegend Eigenproduktionen dieser Klöster, mit kunstvollen mehrstimmigen Gesängen aus den Fragmenten von Kingas Magnus Liber, die durch den Vergleich mit Konkordanzen sorgfältig rekonstruiert werden konnten, und zur Abrundung des Programms mit einstimmigen Sequenzen und Hymnen für die Patronin des Ordens, die Heilige Klara.                                                                               Personell: 4 Sängerinenn                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     Dieses Programm wurde an zahlreichen Festivals in Polen(Starosadecki Festiwal Muzyki Dawnej 2010, Goldberg Festiwal Gdansk 2010, Masovia Goes Baroque Warszawa 2010), Deutschland (Via mediaeval 2009, Klara-Keller Jubiläum Köln 2006, Fliessende Grenzen Laufenburg 2006) Lettland (Rezekne 2012) und in der Schweiz (Nox Illuminata Basel 2007).    

Sacer Nidus - Music for Saint Adalbert, Boleslaw Chrobry and Otto III. The programme "Sacer nidus" carries us away to Poland, to Gniezno, the "holy nest." In the year 1000, Gniezno was the meeting place of Duke Boleslaw I and Emperor Otto III, whose lives were closely connected with that of Saint Adalbert. The former bishop Adalbert had been sent by both rulers to spread the word of God among the pagans, died a short time afterwards as a martyr, and was elevated to sainthood in Rome. His story and the associated political-religious consequences are reflected in numerous texts and in the music of the Middle Ages. The clear, pure singing of Ensemble Peregrina takes us along into the world of the songs, sequences, and hymns that were written not only in Poland, but also on Reichenau Island and in the Rhineland. Premiered by the Festival Music Before 1800 in New York 2013 and in Bozar Bruxelles 2013.

Mel et lac - Marian songs of the 12th century The songs chosen for this programme all belong to a new direction in Christian devotion of the middle ages - a joyous new song. This nova cantica coincided with the increasing significance of Mary, mother of Christ, which reached its peak in the 12th century. Poets and composers alike were inspired by these developments, creating pieces in a new and exciting musical and poetical style. The pieces presented in this programme are from the high feasts of the Virgin Mary, Annunciatio to Assumptio, the majority taken from the Christmastide. The immaculate conception of Mary is symbolized by her anointment with honey by the Holy Spirit. Her role as the mother of the Saviour is not only as that of a vessel, but as giver and sustainer of life (milk). Our main sources belong to the rich Aquitanian tradition of the abbey of St. Martial de Limoges, supplemented by manuscripts from Norman Sicily and England.

Participants: 3 singers (incl. harp and vielle a rouer) A longer version of this programme with fidel player including some pieces of Hildegard von Bingen available.
Performed in various festivals in Switzerland, Germany, Italy, Czech Republic, Poland, Estonia and Spain.
Estimated duration: 60 minutes